Eisenmangel durch Myome

Eisenmangel durch Myome

Eisenmangel? Bei Myomen nicht selten!

Eisen ist eines der wichtigsten Spurenelemente im menschlichen Körper. Es wird für die Blutbildung und den Sauerstofftransport und für viele weitere Zellfunktionen benötigt.
Liegt im Körper zu wenig Eisen vor, spricht man von Eisenmangel. Frauen mit Myomen neigen zu verstärkten Blutungen. Durch den hohen Blutverlust kann es in der Folge zu einer Blutarmut (Anämie) kommen. Daraus resultiert Eisenmangel. Und in schweren Fällen eine Eisenmangelanämie. Wie Sie Eisenmangel erkennen und was Sie tun können.

Eisenspeicher: Männer 800mg – Frauen 200mg

Ein Mann hat einen Eisenspeicher von etwa 800 mg, eine Frau zwischen null und 200 mg. Täglich verliert der Körper kleine Mengen Eisen durch:

  • abgestorbene Hautzellen,
  • Verletzungen und Schweiß,
  • Frauen vor allem durch die Menstruation,
  • Schwangerschaft und Stillzeit.

Laut Privatdozent Dr. Dr. Peter Nielsen, Leiter der Interdisziplinären Klinischen Gruppe Eisenstoffwechsel am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf leiden, etwa 30 bis 40 % der Frauen im gebärfähigen Alter unter Speichereisenmangel, der Vorstufe der Blutarmut: „Mindestens 20 Tage werden jeden Monat benötigt, um den Verlust der Regelblutung auszugleichen.“ Bei Frauen mit starken oder langanhaltenden Regelblutungen ist der Eisenverlust mitunter nicht aufzufüllen. Kommen weitere Risikofaktoren dazu, wie beispielsweise Ausdauersport, Blut spenden, chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (z. B. Colitis ulzerosa, Zöliakie), Tumore oder Geschwüre, so leeren sich die Eisenspeicher bis zu einem manifesten Eisenmangel.

Eisenmangel Symptome: Eingerissene Mundwinkel, blasse Haut

Die Anzeichen für einen Eisenmangel sind sehr unspezifisch und werden daher oft lange übersehen.

  • Blasse Gesichtsfarbe,
  • eingerissene und schlecht heilende Mundwinkel und
  • Haarausfall sind ebenso Symptome wie
  • Müdigkeit,
  • Unkonzentriertheit,
  • Infektanfälligkeit und
  • ein allgemeines Nachlassen der Leistungsfähigkeit.

Ein Selbsttest: Ist die Schleimhaut am unteren Augenlid schön rot, ist alles in Ordnung. Ist sie hellrosa, ist das ein Hinweis auf starken Eisenmangel.

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Verdacht auf Eisenmangel bei starken Blutungen durch Myome? Ein Blutbild gibt Aufschluss.

Neigen Sie zu starken Blutungen aufgrund Ihrer Myome? Fühlen Sie sich matt und abgeschlagen, ist Ihre Haut blasser als sonst? Vermuten Sie bei aufgrund der Myome Symptome bei sich einen Eisenmangel, suchen Sie bitte Ihren Arzt* auf. Ein Blutbild kann sowohl Ihr Hausarzt als auch ein Facharzt (Gynäkologie/Interventionelle Radiologie) veranlassen. Mit einer Blutuntersuchung kann er feststellen, wie es um die Eisenspeicher in Ihrem Körper bestellt ist. Der sog. Serum-Ferritinwert (Ferrum=lat. für Eisen) zeigt den Füllstand Ihrer Eisenspeicher an. Liegt der Wert unter 30 Mikrogramm pro Liter (µg/l) (normal 40-160 µg/l), beginnen sich die Speicher in Leber und Milz zu leeren; bei unter 12 µg/l sind sie erschöpft.

Der Hämoglobin- (Hb-) Wert zeigt die Menge an rotem Blutfarbstoff an. Das Hämoglobinmolekül enthält als zentrales Element ein Eisenatom. Daran wird der Sauerstoff gebunden und zu den Zellen transportiert. Ist zu wenig Eisen vorhanden, gibt es zu wenig Hämoglobin und die Sauerstoffversorgung der Zellen wird reduziert. Normal sind bei Frauen Werte zwischen 12 und 16 g/dl. Doch der Hb-Wert sinkt erst, wenn die Eisenspeicher komplett aufgebraucht sind. Dann liegt bereits eine Eisenmangelanämie vor. Zudem kann die Transferrinsättigung gemessen werden. Transferrin ist der Eisentransporter im Körper. Die Transferrinsättigung zeigt an, wie gut der Transporter mit Eisen beladen ist und damit, wie viel Eisen transportiert wird. Ist die Transferrinsättigung zu niedrig (unter 20%), wird zu wenig Eisen zu den Zellen transportiert.

Nachweis eines Eisenmangels

Hämoglobin: Frauen <12g/dl – Männer <13g/dl
Ferritinwerte weniger als 30 Mikrogramm pro Liter Blut = absoluter Eisenmangel
Transferinsättigung: 20-45%

Eisenmangel unbedingt behandeln

Wird Eisenmangel nicht behandelt, droht eine Blutarmut. In der Regel verordnet Ihr Arzt für einige Monate Eisenpräparate, z.B. Eisentabletten. Damit können die Eisenspeicher gut aufgefüllt werden. „Von einer selbständigen Einnahme ist unbedingt abzuraten, da ein Zuviel an Eisen die Organe schädigt“, erklärt Dr. Nielsen. Übelkeit, Verstopfung und andere Magen-Darm-Beschwerden sind häufige Nebenwirkung der Behandlung. Sie lassen nach, wenn die Tabletten zusammen mit den Mahlzeiten eingenommen werden. Anstatt Tabletten können auch flüssige Eisenpräparate mit natürlichen Kräuterextrakten eingenommen werden. Die Wirkung ist ebenso gut wie die von Eisentabletten, allerdings ist ein flüssiges Eisenpräparat im Verhältnis zu Eisentabletten teurer. Unter Eisentherapie kann maximal ein Anstieg des Hb-Wertes von 1 g/dl pro Woche gemessen werden. Liegt eine Blutarmut ohne Anämie vor, kann Ihr Arzt mit einer einzigen Kurzinfusion von 500mg Eisencarboxy-Maltose in 100mg NaCl 0,9% Ihren Wert wieder ausgleichen.

Bei Blutarmut (Anämie) helfen Eiseninfusionen

„Bei starker Eisenmangelanämie auf Grund von Schwangerschaft, Myom-bedingten starken Blutungen, Tumor- oder chronisch-entzündlichen Erkrankungen können Eiseninfusionen notwendig werden“, erklärt Prof. Dr. Hans Tesch, Spezialist für Hämatologie und Onkologie am Bethanien Krankenhaus in Frankfurt. Das Eisen wird über die Vene direkt ins Blut gebracht wird und muss nicht erst aus dem Darm aufgenommen werden muss. Dadurch können die Eisenspeicher schneller aufgefüllt werden, als das mit Tabletten möglich ist. Die neuen Infusionen sind gut verträglich, doch Nebenwirkungen wir Übelkeit, Schwindel oder Kopfschmerzen können auftreten. Die Anzahl und Häufigkeit der Infusionen ist von der Schwere des Eisenmangelanämie und dem Präparat abhängig. Für jede Infusion muss die zu behandelnde Frau eine Praxis oder Klinik aufsuchen.

Vor einer Myom-OP: Eisenspeicher auffüllen

Eisen wird für zahlreiche Vorgänge im Körper unbedingt benötigt. Ist zu wenig Eisen vorhanden, ist der Körper geschwächt. Soll in diesem Zustand eine Operation, z.B. eine Hysterektomie, eine organerhaltende Myomentfernung per Myomenukleation stattfinden, so hat jeder weitere Blutverlust schwerwiegende Folgen. Möglicherweise werden Blutkonserven benötigt. Durch einen gut gefüllten Eisenspeicher lassen sich diese Probleme verhindern und der Körper erholt sich im Anschluss schneller. Es besteht die Möglichkeit, bei starken Beschwerde verursachenden Blutungen durch die Einnahme von pharmazeutischen Präparaten die Myome bedingten Blutungen zu reduzieren und zugleich Eisenpräparate zu verabreichen. Diese Kombination sollte in enger Absprache mit Ihrem Gynäkologen und nur auf Ihren individuellen Fall abgestimmt erfolgen. Pharmazeutische Präparate zur Blutungsreduktion können zu einer temporären Linderung Ihrer Myom bedingten Blutungs-Beschwerden führen, doch können unerwünschte Nebenwirkungen entstehen. Sie sind kein Muss für eine Behandlung mit Eisenpräparaten.

Eisenmangel mit cleverer Ernährung vorbeugen

Nur höchstens 15 % des in einem Lebensmittel enthaltenen Eisens können vom Körper aufgenommen werden. Zweimal pro Woche mageres, rotes Fleisch von Rind, Schwein oder Wild auf dem Teller ist gut für die Eisenspeicher, denn aus Fleisch ist Eisen in Form von Hämeisen am besten verfügbar. Der gleichzeitige Verzehr von Vitamin C-haltigem Gemüse oder Obst verbessert die Aufnahme zudem. Für Vegetarier kommen pflanzliche Eisenquellen in Betracht. „Leider enthalten diese meist Begleitstoffe, die die Aufnahme behindern. So haben Sesam, Haferflocken und Bohnen relativ viel Eisen, doch durch die ebenso vorhandene Phytin- und Oxalsäure wird es im Darm gebunden und ungenutzt ausgeschieden“, erklärt Prof. Dr. Gabriele Stangl. Darum sollten eisenreiche Nahrungsmittel nicht zusammen mit Hemmstoffen, enthalten im schwarzen oder grünen Tee, in Vollkornprodukten und Milch, verzehrt werden. Die Professorin für Humanernährung an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg rät Vegetariern, alle zwei Jahre die Eisenwerte kontrollieren zu lassen.

Welche Eisenmangel-Therapie zahlt die Krankenkasse?

Liegt eine Eisenmangelanämie vor, also bei einem Hämoglobinwert von weniger als 12g/dl Hämoglobin, übernimmt die gesetzliche Krankenkasse in Deutschland die Kosten für Eisenpräparate oder Infusionen. Liegt „nur“ ein Eisenmangel vor, der jedoch auch behandelt werden muss, müssen die Kosten für die Eisentabletten selbst getragen werden.

Zu diesem Artikel befragte Mediziner: